Einführung

Erneuerbare Energien stehen im Zentrum der grössten Transformation unseres Energiesystems. Bis 2050 soll unser Land unter dem Strich keine Treibhausgase mehr ausstossen, dabei stammen derzeit 70% unserer Energie aus dem Ausland. Die Dekarbonisierung schreitet weltweit voran, insbesondere im Energiesektor. Allerdings bringen Solar- und Windkraft neue Herausforderungen mit sich: Sie produzieren wetterabhängig und ungleichmässig Energie. In diesem Artikel zeigen wir, wie der Anteil erneuerbare Energien Deutschland und die Schweiz bis 2026 stabilisieren kann, welche Speicherlösungen nötig sind und wie das Erneuerbare Energien Gesetz den Ausbau vorantreibt.

Die aktuelle Energiesituation und der Weg zur Versorgungssicherheit

Abhängigkeit von fossilen Energien und Importen

Die Schweiz bezieht 58% ihres Energieendverbrauchs aus fossilen Quellen, wobei Erdölprodukte wie Benzin, Heizöl und Kerosin 45,7% ausmachen und Erdgas weitere 12,3% beisteuert. In Deutschland liegt der Importanteil bei Erdöl bei 98%, bei Erdgas bei 95% und bei Steinkohle bei 100%. Diese Zahlen verdeutlichen eine strukturelle Verwundbarkeit, die uns jährlich Milliarden kostet.

Deutschland gibt rund 76 Milliarden Euro pro Jahr für fossile Brennstoffimporte aus. Die Schweiz wendet etwa 8 Milliarden Franken jährlich für Öl- und Gasimporte auf. Bei Preisanstiegen von 50% entstehen für Deutschland zusätzliche Importkosten von etwa 40 Milliarden Euro pro Jahr. Dieses Geld fliesst ins Ausland, statt einheimische Wertschöpfung zu generieren.

Über 90% der Autos auf Schweizer Strassen verfügen über Benzin- oder Dieselmotoren. In sechs von zehn Wohngebäuden stehen Öl- oder Gasheizungen. Der Strassenverkehr, das Heizen und industrielle Prozesse bleiben auf importierte Erdölprodukte angewiesen. Gas dient hauptsächlich zum Kochen und zur Raumheizung. Deutschland importiert 67% seines Primärenergieverbrauchs zu durchschnittlichen Kosten von 2% des Bruttoinlandsprodukts.

Die Schweiz bezog 2025 Rohöl primär aus den USA und Nigeria. Deutschland importiert inzwischen 30% aus Norwegen, 19% aus den USA und 17% aus dem Vereinigten Königreich. Der Anteil russischer Importe sank von 35% im Jahr 2021 auf nur noch 0,1% im Jahr 2024. Diese geografische Neuausrichtung zeigt, wie stark geopolitische Konflikte unsere Energieversorgung beeinflussen.

Der Umbau des Energiesystems bis 2026

Der Bundesrat hat verschiedene Massnahmen zur Stärkung der Versorgungssicherheit eingeleitet. Das Bundesgesetz über eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien wurde im Juni 2024 mit 68,7% Ja-Stimmen angenommen. Es schafft die Grundlagen, um im Inland rasch mehr Strom aus Wasser, Sonne, Wind und Biomasse zu produzieren. Der Ausbau soll vor allem auf Dächern und Fassaden von Gebäuden erfolgen.

Der Beschleunigungserlass verkürzt die Verfahren für Planung und Bau grosser Kraftwerke. Bewilligungsverfahren und Rechtsmittelverfahren für grosse Anlagen werden gestrafft. Die Kantone sollen im Richtplan Eignungsgebiete für Solar- und Windenergieanlagen von nationalem Interesse bezeichnen. Parallel dazu führt Deutschland das erneuerbare Energien Gesetz weiter, das den Rahmen für den beschleunigten Ausbau vorgibt.

Zur Überbrückung kritischer Winterengpässe dient die Wasserkraftreserve. Stauseenbetreiber halten gegen Entgelt Energie zurück, die bei Bedarf abgerufen werden kann. Die Schweiz hat zudem mit Deutschland und Italien ein Solidaritätsabkommen unterzeichnet, das bei schweren Mangellagen gegenseitige Gaslieferungen vorsieht. Fünf neue Reservekraftwerke werden jedoch frühestens ab 2030 vollständig verfügbar sein.

Rolle der erneuerbaren Energien für die Stabilität

Erneuerbare Energien machen in Deutschland inzwischen etwa 63% der im Inland gewonnenen Energie aus. Der Anteil erneuerbarer Energien Deutschland am Strommix erreichte 2023 bereits 55%. Die Schweiz produziert 30% ihrer benötigten Energie mit Wasserkraft, Holz, Sonnenenergie, Windenergie, Biogas und Wärmepumpen. Diese einheimischen Quellen reduzieren die Importabhängigkeit schrittweise.

Biomasse und erneuerbarer Abfall tragen in Deutschland zu etwa einem Drittel zur inländischen Primärenergiegewinnung bei. Gleichzeitig bleibt Braunkohle mit 25% der im Inland gewonnenen Primärenergie noch immer bedeutend. Die Bundesnetzagentur kam in ihrem Monitoring zum Ergebnis, dass im Zeitraum 2025 bis 2031 die sichere Versorgung mit Elektrizität in Deutschland gewährleistet ist, auch mit einem vollständigen Kohleausstieg bis 2030.

Der Steuerungsausschuss Versorgungssicherheit Energie bekräftigte am 17. März 2026, dass die Energieversorgung der Schweiz derzeit sichergestellt ist. Allerdings befürchten 58% der Schweizer Stimmberechtigten, dass der heutige energiepolitische Kurs in zehn Jahren zu Problemen bei der Stromversorgung führen könnte. Die Versorgungssicherheit bleibt für 45% die wichtigste Priorität innerhalb der Energiepolitik.

Wichtige erneuerbare Energietechnologien für Deutschland und die Schweiz

Solarenergie und Photovoltaik

Photovoltaik wandelt Strahlungsenergie mittels Solarzellen direkt in elektrischen Strom um. Im Schweizer Mittelland beträgt der Energieertrag etwa 200 kWh pro Quadratmeter und Jahr. Alpine Standorte erreichen bis zu 300 kWh/m², vergleichbar mit Spanien. Der Photovoltaik-Ausbau in der Schweiz wuchs 2023 um 51% auf 1641 MW. Ende 2023 deckten die installierten 6,4 GW bereits über 8% des Schweizer Strombedarfs. Für 2024 wird erwartet, dass Solar erstmals über 10% des Jahresbedarfs abdeckt.

Deutschland erreichte im zweiten Quartal einen neuen Rekord: Der Anteil von Windkraft und Photovoltaik stieg auf 65%. Mit 24,3 Mrd. kWh produzierte die Photovoltaik fast ein Viertel des erzeugten Stroms. Neue Solarkraftwerke mit einer installierten Leistung von rund 10.000 MW gingen im Vergleich zum Vorjahresquartal in Betrieb. Die Schweiz befindet sich beim Solarstrom im vorderen Mittelfeld und erreichte mit 878 kWh pro Kopf Rang zehn. Spitzenreiter Niederlande produzieren pro Person fast doppelt so viel Solarstrom wie die Schweiz.

Windenergie an Land und auf dem Meer

Bei der Windenergie liegt die Schweiz mit einer Pro-Kopf-Produktion von 18 kWh auf Platz 25 von 28 Rängen. Nur Slowenien, Malta und die Slowakei produzieren noch weniger Windstrom. Die Spitzenreiter Finnland, Schweden und Dänemark erzeugten pro Kopf fast 180-mal mehr Strom aus Wind als die Schweiz. Der Ausbau der Windkraft stagniert bisher weitgehend in der Schweiz.

Deutschland verfügt hingegen über 29.226 Onshore-Windkraftanlagen. Onshore-Anlagen erzielen meist 2.000 bis 3.000 Volllaststunden. Offshore-Windparks erreichen bereits 3.500 bis 4.500 Volllaststunden. Ende 2025 waren in deutschen Gewässern 31 Offshore-Windparks mit insgesamt 1.680 Windkraftanlagen in Betrieb. Die installierte Leistung betrug 9,74 GW. Offshore-Windenergieanlagen erzeugten 2024 mehr als 25 Milliarden Kilowattstunden Strom. Die im Jahr 2024 zugebauten Anlagen hatten eine durchschnittliche Nennleistung von 10 MW pro Anlage.

Wasserkraft als Rückgrat der Versorgung

Am 1. Januar 2025 waren in der Schweiz 704 Wasserkraft-Zentralen mit einer Leistung grösser 300 Kilowatt in Betrieb. Die erwartete Energieproduktion lag 2024 bei 37.350 GWh pro Jahr. Mit Wasserkraft wurden 2024 rund 59,5% des inländischen Stroms erzeugt. Die Kantone mit der grössten Produktionserwartung sind das Wallis mit 10.513 GWh/Jahr, Graubünden mit 7.935 GWh/Jahr, Tessin mit 3.624 GWh/Jahr und Bern mit 3.402 GWh/Jahr.

Die Schweiz verfügt über Laufkraftwerke und Speicherkraftwerke, darunter Pumpspeicheranlagen, die flexibel auf Lastspitzen reagieren können. Diese Flexibilität ist besonders wertvoll, weil Solar- und Windstrom wetterabhängig einspeisen. Grosswasserkraftwerke erzeugen rund 90% der gesamten schweizerischen Wasserkraftproduktion.

Geothermie und Biomasse

In der Schweiz wird derzeit zwar ein Fernwärmenetz mit Geothermie versorgt, aber noch keine Elektrizität aus geothermischen Quellen produziert. Bei Temperaturen über 40°C stehen bedeutende Energiemengen zur Verfügung. 5000 Meter unterhalb der Erdoberfläche herrschen etwa 160°C. Die Tiefengeothermie liefert rund um die Uhr erneuerbare Bandenergie.

Biomasse kann punktuell Wärme liefern, Biogas bereitstellen, Abfälle verwerten und flexible Stromproduktion ergänzen. In Deutschland wurden 2025 etwa 47,8 Mrd. kWh grüner Strom aus Biomasse bereitgestellt. Die Stromerzeugung aus Geothermie blieb mit rund 0,2 Mrd. kWh bei etwa 0,1 Prozent der erneuerbaren Strommenge.

Anteil erneuerbare Energien Deutschland im Vergleich

Im 1. Quartal 2026 stammten in Deutschland 53,3% des inländisch erzeugten Stroms aus erneuerbaren Energieträgern. Der Anteil der erneuerbaren Energien im Stromsektor erreichte 2025 einen Wert von 55,1 Prozent. Knapp 11 Prozent des inländischen Stromverbrauchs werden in der Schweiz aus Sonne und Wind erzeugt. In Dänemark liegt dieser Anteil bereits bei über 76 Prozent.

Speicherlösungen und intelligente Stromnetze

Batterietechnologien für Netzschwankungen

Grossbatterien gleichen kurzfristige Schwankungen im Netz aus. In Netstal betreiben die Technischen Betriebe Glarus seit Dezember 2024 eine Netzbatterie mit einer Leistung von 10,4 Megawatt und einer Speicherkapazität von 12,3 Megawattstunden. Die Gesamtkosten betrugen acht Millionen Franken. Die Batterieanlage besteht aus Lithium-Eisenphosphat-Speichern, die weder brennbar sind noch Schwermetalle enthalten. Während die Batterie kurzfristige Netzschwankungen ausgleicht, sorgt die Wasserkraft für eine langfristige Stabilisierung.

Natrium-Ionen-Batterien haben den Vorteil, dass hier keine kritischen Rohstoffe mehr eingesetzt werden, sie bessere Tieftemperatur-Eigenschaften haben und schnell beladbar sind. Diese Batterien sind schon fast so leistungsfähig wie Lithium-Ionen-Batterien. Batteriespeicher unterstützen die Frequenzstabilität des Netzes, indem sie schnell auf Frequenzschwankungen reagieren und entweder Energie einspeisen oder aufnehmen.

Power-to-X-Technologien

Power-to-X bezeichnet alle Verfahren, die Ökostrom in chemische Energieträger zur Stromspeicherung, in strombasierte Kraftstoffe zur Mobilität oder Rohstoffe für die Chemieindustrie umwandeln. Bei Power-to-Gas wird Wasser durch Elektrolyse in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten, anschliessend unter Zugabe von Kohlenstoffdioxid methanisiert und ins Erdgasnetz eingespeist.

Power-to-Heat wandelt elektrische Energie mit einem fast einhundertprozentigen Wirkungsgrad in Wärme um. Ohne Wärmenutzung bleiben bei einer reinen Rückverstromung nur etwa 30 bis 35 Prozent der eingesetzten Energie für die Stromerzeugung verfügbar. Power-to-X-Technologien sind erforderlich für die Sektorenkopplung und werden als zentraler Baustein eines vollständig erneuerbaren Energiesystems betrachtet.

Pumpspeicherwerke und Wasserstoffspeicher

Pumpspeicherkraftwerke arbeiten mit einem Wirkungsgrad von bis zu 82 Prozent. In Deutschland beträgt die Pumpspeicherleistung 9,4 GW, in Österreich 7,2 GW und in der Schweiz 3,6 GW. Moderne Anlagen erreichen 80 Prozent und mehr. Bei Wasserstoff werden hingegen 50 bis 60 Prozent erreicht. Pumpspeicheranlagen sind in der Lage, in kürzester Zeit auf Netzschwankungen zu reagieren, indem sie benötigte Elektrizität generieren oder überschüssige aufnehmen.

Ausbau und Modernisierung der Stromnetze

Bis 2040 will Swissgrid rund 5,5 Milliarden Franken ins Stromnetz investieren. Swissgrid hat 31 Netzprojekte identifiziert, die bis 2040 umgesetzt sein müssen. Zur besseren Steuerung der Stromflüsse projektiert Swissgrid 21 neue regelbare Transformatoren. Aktuell verfügt das Netz über 22 dieser für den Stromimport wichtigen Transformatoren. Auf 400 Kilometern des insgesamt 6700 Kilometer langen Leitungsnetzes plant das Unternehmen eine Spannungs- und Leistungserhöhung.

Digitale Koordination von Angebot und Nachfrage

Smart Grids nutzen digitale Technologien, um Stromerzeugung, Netzbetrieb, Speicherung und Verbrauch zu koordinieren. Die Digitalisierung und der Einsatz von IoT-Technologien tragen dazu bei, Erzeugung und Verbrauch jederzeit im Gleichgewicht zu halten. Smart Meter können den Stromverbrauch und die Stromeinspeisung messen und diese Daten digital übermitteln. Die Digitalisierung unterstützt bei der Automatisierung des Eigenverbrauchs, indem in Haushalten der Strombezug von Wärmepumpen und Elektrofahrzeugen auf den Zeitpunkt hoher Photovoltaikeinspeisung abgestimmt wird.

Herausforderungen bei der Integration erneuerbarer Energien

Volatilität und Wetterabhängigkeit

Wind- und Solarenergie produzieren Strom abhängig von der Witterung sowie der Tages- und Nachtzeit. Diese Schwankungsintensität führt dazu, dass Angebot und Nachfrage jederzeit im Gleichgewicht stehen müssen, während Strom nur begrenzt speicherbar ist. Starke Sonneneinstrahlung oder plötzlicher Wind erzeugen Überangebote, Windstille oder Dunkelheit dagegen Knappheit. Die Erzeugung reagiert nicht mehr auf die Nachfrage, sondern die Nachfrage muss sich über Flexibilitäten der Erzeugung anpassen.

In Spitzenzeiten wird viel Energie ins Netz gegeben, dabei entstehen Überschüsse, die aktuell kaum gespeichert werden können. Wärmepumpen und Elektromobilität verursachen bei gleichzeitigem Netzbezug steigende Lastspitzen. Insbesondere die unteren Netzebenen, in die dezentral produzierte erneuerbare Energie eingespeist wird, müssen ausgebaut oder verstärkt werden.

Winterversorgung als kritischer Punkt

Die Schweizer Winterstromproduktion hat in den letzten zehn Jahren nicht zugenommen. Sowohl über das ganze Winterhalbjahr als auch in der kritischen Phase von Dezember bis Februar ist der bisherige Zubau praktisch wirkungslos geblieben. Aufgrund des Wegfalls der bestehenden Kernkraftwerke wird künftig vor allem mehr Winterstrom benötigt. Insgesamt sind 60% der im Jahr 2050 benötigten Winterstromproduktion heute noch nicht gebaut.

Der Bund will die Energiewende vor allem mit Solaranlagen umsetzen, welche insbesondere im sonnigen Sommerhalbjahr viel Strom produzieren. Produktionsanlagen mit hohem Winterstromanteil, also Photovoltaikanlagen in höheren Lagen und mit steilerem Aufstellwinkel sowie Windkraftanlagen und Speicherkraftwerke, sollten besondere Beachtung erhalten.

Flächenbedarf und Akzeptanz in der Bevölkerung

Die lokale Akzeptanz gilt in Deutschland als Flaschenhals der Energiewende. Die Energieerzeugung durch erneuerbare Energien weist eine deutlich geringere Energiedichte je Flächeneinheit auf als bei konventionellen Kraftwerken, dadurch ist ein weitaus höherer Flächenbedarf notwendig. Veränderungen des Landschaftsbilds sind einer der Hauptgründe für den Widerstand der Bevölkerung.

Das NIMBY-Phänomen beschreibt Personen, welche zwar eine Technologie unterstützen, allerdings nicht, wenn diese in ihrem unmittelbaren Umfeld gebaut werden soll. Entsprechend ist eine frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit und finanzielle Teilhabe für Kommunen und Anwohnende besonders wichtig.

Investitionsbedingungen und Förderungen

Bewilligungsverfahren für erneuerbare Energieprojekte können mehr als zwei Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Die mehrstufigen Raumplanungs- und Bewilligungsverfahren dauern lange und bieten viele Möglichkeiten für Beschwerden. Das Energiegesetz sieht vor, dass Einspeisevergütungen bis Ende 2022 und Investitionsbeiträge bis 2030 erfolgen dürfen. Die Förderung wird über den Netzzuschlag finanziert, der von 1,5 Rp./kWh auf 2,3 Rp./kWh erhöht werden soll.

Massnahmen für eine sichere Stromversorgung bis 2026

Ausbaupfade der erneuerbaren Energien beibehalten

2021 wurde in der Schweiz eine PV-Leistung von 705 MW verkauft, was einem neuen Zubau-Rekord entsprach. Gegenüber 2019 hatte sich der Zubau mehr als verdoppelt. Laut Energieperspektiven 2050+ sollten im Jahr 2035 über 20 Prozent des Stromendverbrauchs durch Sonnenenergie gedeckt werden, wofür ein jährlicher PV-Zubau von 750 MW nötig wäre. Dieser Wert wurde 2022 bereits deutlich übertroffen mit 950 MW bis 1 GW. In Deutschland sollen bis 2030 insgesamt 115 Gigawatt Windenergie an Land, 215 Gigawatt Photovoltaik und 8,4 Gigawatt Biomasseanlagen installiert sein. Damit sollen mindestens 80 Prozent des deutschen Bruttostromverbrauchs aus erneuerbaren Energien stammen.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit und Interkonnektoren

Interkonnektoren verbinden nationale Übertragungsnetze und ermöglichen grenzüberschreitenden Stromhandel sowie höhere Versorgungssicherheit. Das Übertragungsnetz von 50Hertz ist über zwei Leitungen mit Polen und eine Leitung mit Tschechien elektrisch verknüpft. Zu Dänemark bestehen zwei Verbindungsleitungen, darunter die 2020 in Betrieb genommene Kriegers Flak Combined Grid Solution. Die geplante Hansa PowerBridge nach Schweden soll etwa 300 Kilometer lang werden. Bis 2030 muss jeder EU-Mitgliedsstaat 15 Prozent seiner Stromproduktionskapazität über die Landesgrenze transportieren können.

Dezentralisierung der Stromproduktion

Der Ausbau von Produktionsanlagen für erneuerbare Energien erfolgt zu einem grossen Teil durch kleine PV-Anlagen auf Dächern und an Gebäuden. Im Dezember 2022 wurden 84 MW zur Förderung angemeldet, mehr als die Hälfte stammte aus kleinen PV-Anlagen. Bis Ende Februar wurden 87,71 MW aus Kleinanlagen angemeldet gegenüber 54,21 MW aus Grossanlagen. Dezentrale Energiesysteme minimieren Übertragungsverluste durch kurze Wege von der Produktion zum Verbrauch. Zudem ist ein Verbund dezentraler Energiesysteme widerstandsfähiger gegen grossflächige Störungen.

Erneuerbare Energien Gesetz und politische Rahmenbedingungen

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz verpflichtet Netzbetreiber, EE-Anlagen vorrangig an ihr Netz anzuschliessen und den erzeugten Strom vorrangig abzunehmen. Anlagen mit einer Leistung bis 100 Kilowatt werden durch eine feste Einspeisevergütung gefördert. Oberhalb dieser Schwelle ist Direktvermarktung verpflichtend, die Förderung erfolgt als Marktprämie. Die Schweiz nahm im Juni 2024 das Bundesgesetz über eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien mit 68,7 Prozent Ja-Stimmen an. Der Beschleunigungserlass tritt ab April 2026 gestaffelt in Kraft.

Schlussfolgerung

Erneuerbare Energien werden unsere Stromversorgung bis 2026 schrittweise sicherer machen, sofern wir die aktuellen Ausbaupfade beibehalten. Der Übergang von importierten fossilen Brennstoffen zu einheimischer Solar-, Wind- und Wasserkraft reduziert nicht nur Kosten, sondern stärkt die Energieunabhängigkeit. Speicherlösungen, intelligente Netze und grenzüberschreitende Zusammenarbeit gleichen wetterbedingte Schwankungen aus.

Allerdings bleibt die Winterversorgung eine zentrale Herausforderung. Bevor Sie in erneuerbare Projekte investieren oder politische Entscheidungen bewerten, sollten Sie die Grundlagen verstehen: Dezentrale Produktion, beschleunigte Bewilligungsverfahren und finanzielle Anreize bilden das Fundament. Nur mit konsequenter Umsetzung des Erneuerbare Energien Gesetzes erreichen wir tatsächlich eine stabile, klimaneutrale Stromversorgung.

FAQs

Q1. Wie hoch ist der aktuelle Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung in Deutschland? In Deutschland stammten im ersten Quartal 2026 bereits 53,3% des inländisch erzeugten Stroms aus erneuerbaren Energieträgern. Im Jahr 2025 erreichte der Anteil erneuerbarer Energien im Stromsektor 55,1 Prozent. Windkraft und Photovoltaik spielen dabei eine zentrale Rolle und deckten im zweiten Quartal zusammen 65% der Stromerzeugung ab.

Q2. Welche Rolle spielt die Wasserkraft für die Schweizer Stromversorgung? Die Wasserkraft bildet das Rückgrat der Schweizer Stromversorgung. Im Jahr 2024 wurden rund 59,5% des inländischen Stroms durch Wasserkraft erzeugt. Die Schweiz verfügt über 704 Wasserkraft-Zentralen mit einer erwarteten Jahresproduktion von 37.350 GWh. Besonders wertvoll sind Pumpspeicheranlagen, die flexibel auf Lastspitzen reagieren und wetterbedingte Schwankungen ausgleichen können.

Q3. Warum ist die Winterversorgung mit erneuerbaren Energien besonders kritisch? Die Winterstromproduktion stellt eine besondere Herausforderung dar, weil Solaranlagen in den Wintermonaten deutlich weniger Strom produzieren. In der Schweiz hat die Winterstromproduktion in den letzten zehn Jahren nicht zugenommen, und 60% der im Jahr 2050 benötigten Winterstromproduktion sind heute noch nicht gebaut. Photovoltaikanlagen in höheren Lagen, Windkraftanlagen und Speicherkraftwerke mit hohem Winterstromanteil sind daher besonders wichtig.

Q4. Welche Speichertechnologien helfen bei der Stabilisierung des Stromnetzes? Verschiedene Speichertechnologien ergänzen sich: Grossbatterien gleichen kurzfristige Netzschwankungen aus und reagieren schnell auf Frequenzschwankungen. Pumpspeicherkraftwerke arbeiten mit einem Wirkungsgrad von bis zu 82 Prozent und können sowohl überschüssige Energie aufnehmen als auch bei Bedarf schnell Strom bereitstellen. Power-to-X-Technologien wandeln Ökostrom in chemische Energieträger um und ermöglichen längerfristige Speicherung.

Q5. Wie stark ist Deutschland noch von fossilen Energieimporten abhängig? Deutschland gibt jährlich rund 76 Milliarden Euro für fossile Brennstoffimporte aus. Der Importanteil liegt bei Erdöl bei 98%, bei Erdgas bei 95% und bei Steinkohle bei 100%. Diese hohe Abhängigkeit macht das Land anfällig für Preisschwankungen und geopolitische Krisen. Der Ausbau erneuerbarer Energien reduziert diese Abhängigkeit schrittweise und stärkt die einheimische Wertschöpfung.

Von admin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert